So formulieren unsere Kunden ihre Fragen an uns:
Beratungen und Agenturen nutzen KI im Vertrieb und im Marketing immer intensiver und verknüpfen zusehends mehr Vertriebs- und Marketingaufgaben mit KI-gestützten Tools. In diesem Fahrwasser ist hyperpersonalisiertes Marketing (Account Based Marketing) für viele Beratungen und Agenturen mittlerweile von einer Nischenstrategie zu einem selbstverständlichen Bestandteil ihrer Vertriebs- und Marketingkampagnen geworden.
Das liegt auch daran, dass sich das Beratungsgeschäft bzw. Agenturgeschäft kundenseitig spürbar verändert. Kaufentscheidungen der Beratungs- und Agenturkunden durchlaufen typischerweise mehrere Hierarchieebenen und Fachbereiche und werden heute von deutlich mehr Stakeholdern getroffen. Und: Ein wichtiger Teil der Kaufentscheidung und des Kaufprozesses ist auf Kundenseite bereits abgeschlossen, ehe der Kontakt zur Beratung bzw. Agentur aufgenommen wird. Dementsprechend gilt: Beratungen und Agenturen müssen schon zeitlich weit vorgelagert im Relevant Set des Kunden präsent sein, sie müssen thematisch passgenau kommunizieren und mehr Entscheiderinnen und Entscheider gleichzeitig adressieren.
Hyperpersonalisiertes Marketing (Account Based Marketing) erscheint auf den ersten Blick als perfekte Lösung, um diesen komplexen Anforderungen gerecht zu werden. Schließlich verspricht KI, Personalisierung skalierbar zu machen, zumindest in der Theorie.
In der Praxis beobachten wir ein anderes Bild: Anders als B2C-Unternehmen und B2B-Unternehmen tun sich Beratungen und Agenturen mit dem Thema Hyperpersonalisierung noch schwer, die gewünschten Erfolge in der Neukundengewinnung und im New Business bleiben aus.
Woran liegt das? Zum einen wird hyperpersonalisiertes Marketing (Account Based Marketing) von immer mehr Beratungen und Agenturen genutzt, wodurch die Frequenz von personalisiertem Grundrauschen und signal-based Outreach steigt und es immer schwieriger wird, zu den Entscheiderinnen und Entscheidern durchzudringen.
Zum anderen – und das ist der wichtigere Punkt – sind die verfügbaren Intent-Daten für die echt kundenrelevante Personalisierung oft zu ungenau und die Signale zu generisch. Zwar können Intent-Tools die kundenbezogenen Daten aus verschiedenen Quellen in Echtzeit zusammenführen und verdichten (z.B. Website-Besuche, Performance-Metriken aus laufenden Kampagnen, Content-Engagement, Webinar-Teilnahmen, Third-Party-Quellen), doch eine wirklichkeitsgetreue Analyse und Bestimmung des Buying Stages (=der Kaufbereitschaft; In welcher Phase des Kaufprozesses befindet sich der Beratungskunde bzw. Agenturkunde?) liefert meist noch zu unbefriedigende Ergebnisse. Entsprechend läuft die dynamische Personalisierung von Inhalten auf Grundlage des Nutzerverhaltens ins Leere.
Und schlimmer noch: Die Beratung bzw. Agentur katapultiert sich durch die vermeintliche Personalisierung aus dem Relevant Set oder erhält negatives Feedback und verärgerte Reaktionen von Unternehmen, die eigentlich Wunschkunden gewesen wären.
Grundsätzlich sehen wir zwei Ursachen, warum hyperpersonalisiertes Marketing für Beratungen und Agenturen in der Praxis immer wieder an Grenzen stößt:
(1) Das Beratungsgeschäft bzw. Agenturgeschäft ist komplex, daher kann es nie einfache, rein maßnahmenbasierte oder nur Tool-basierte Lösungen geben. Die Basis ist immer der Dreiklang aus: unternehmerischer Strategie + Story + System. Darauf aufbauend dann die ABM-Maßnahmen und -Kampagnen.
(2) KI operiert ausschließlich mit im Internet verfügbaren Daten, daher sind die Signale fast immer zu generisch und trivial. Menschliche Intelligenz bleibt auch im ABM der entscheidende Erfolgsfaktor. Consulting Business bzw. Agency Business ist immer noch People Business, auch im KI-Zeitalter.
In der Theorie ist hyperpersonalisiertes Marketing bzw. ABM die logische Weiterentwicklung des klassischen Relationship Marketing, auf eine Formel gebracht:
ABM = Relationship Marketing
plus die Nutzung von hochperformanten CRM- und Intent-Tools
plus die KI-gestützte Auswertung von Buying Signals (genauer: die signalbasierte Identifizierung und Vorqualifizierung von potenziellen Neukunden aka Marketing Qualified Leads, MQLs)
plus die hyperpersonalisierte Ansprache der MQLs.
In der Praxis von Beratungen und Agenturen beobachten wir indes folgende Denkfehler:
Nein. Der KI-generierte Content ist nie „persönlich genug“ und KI-Tools „verstehen“ die konkreten und komplexen Bedürfnisse und Pains von Beratungs-Wunschkunden bzw. Agentur-Wunschkunden oft nicht richtig. Es fehlt das tiefe Verständnis (die „Deep Insights“) und das individuell menschliche Urteil. Auch an der glaubwürdigen Emotionalisierung und emotionalen Aufladung des personalisierten Content scheitert die KI grundsätzlich. Den fachlich richtig verstandenen und auf den Punkt gebrachten Pain des Kunden und dazu die passende Kreativität und Tonalität in der Ansprache: Das schafft die KI noch nicht alleine. Das unerwünschte Ergebnis: Die ohnehin eher generischen Botschaften erreichen die falschen Personen zur falschen Zeit.
Nein. Das Lead-Volumen ist nicht entscheidend, sondern die Qualität und die Zahl der Prospects (aka Wunschkunden der Beratung oder Agentur). „Mehr Leads“ führt im Ergebnis nicht automatisch zu besseren Konversionen, also zu mehr gewonnenen Neukunden. Eine höhere Reply-Rate ist kein Sales-Ziel, sondern ein Mittel zum Zweck, sie ist nicht mehr und nicht weniger als eine Kennzahl (KPI), die die Kampagnen-Effizienz misst. Auch wenn es verlockend sein mag, ABM als „Sales-Schrotflinte“ auf möglichst viele Prospects zu richten – für ein quantitativ erfolgreiches Ergebnis zählen qualitative Genauigkeit und Relevanz.
Leider ist es komplex. Unterschiedliche Kunden müssen in unterschiedlichen Kanälen adressiert werden, obendrein müssen Kanäle kombinierbar und kohärent sein. Journeys von Beratungskunden bzw. Agentur-Kunden sind immer hochindividuell, deshalb darf ein Sales-System nicht zu statisch sein.
Nein. Auch mit den richtigen Intent-Tools kann vieles schiefgehen, da diese grundsätzlich zu generische und zu ungenaue Outputs liefern, siehe Irrglaube 1. Durch die Echtzeit-Personalisierung entsteht für die Beratung bzw. Agentur als Absender ein schwer kalkulierbares Risiko. Kundenbedürfnisse und Kaufbereitschaften sind meist zu komplex, um mit öffentlich verfügbaren Signalen richtig bewertet zu werden. Auch die hyperpersonalisierte Content-Produktion erfordert eine extrem hohe sachliche Detailtiefe und emotionale Feinfühligkeit, die mit KI-generiertem – und erst recht mit automatisiert ausgespieltem – Output bei Weitem nicht die nötige Qualität erreicht.
Jein. Technisch gesehen ist das nicht ganz falsch. Mit KI lässt sich Output UND Personalisierung in Kombination beliebig vervielfachen. Aber der entscheidende Faktor ist (noch!) menschliche Intelligenz. Ohne menschliches Urteilsvermögen und Urteilskraft ist hyperpersonalisiertes Marketing bzw. ABM a priori zum Scheitern verurteilt. Für den Vertrieb von Beratungen und Agenturen (New Business, Business Development) braucht es zwingend:
(1) Strategisches Urteilsvermögen: Für das richtige Prospect Targeting und die richtige Selektion von potenziellen Neukunden mit der richtigen Kaufbereitschaft (dem „richtigen“ Pain des Kunden).
(2) Inhaltliches Urteilsvermögen: Für den richtigen Content (mit der richtigen Sales Story) in den richtigen Kanälen zur richtigen Zeit.
Richtig verstanden und richtig angewendet kann hyperpersonalisiertes Marketing (Account Based Marketing) eine sinnvolle Ergänzung des Marketing-Mix der Beratung bzw. Agentur sein. Ein zusätzlicher, überaus positiver Effekt: Da ABM funktional das Marketing mit dem Vertrieb verknüpft, finden beide auch organisational und institutionell zusammen, kurz: Vertrieb und Marketing können und müssen Hand in Hand arbeiten. Gerade das ist ein von Beratungen und Agenturen in der Praxis oft übersehener und unterschätzter Vorteil von ABM.